Mitgefühl erfordert Präsenz


Wenn wir mitfühlen sind wir mit unserer Aufmerksamkeit bei uns selbst UND bei unserem Gegenüber der sich ebenfalls bei sich selbst "aufhält". Wir schwingen dann in einem gemeinsamen Resonanzraum.
Im 3-Raum Modell der achtsamkeitsbasierten Ichgrenze überschreiten wir in diesem Bild 2 Mal eine Grenze. Wir sind gleichzeitig bei uns und beim Anderen.

Wirkliche Verbundenheit übrigens lässt sich nur herstellen, wenn wir wissen wer wir sind und wenn wir BEI UNS SIND. Das sieht dann in etwa so aus:



 

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Die beiden Menschen befinden sich mit ihrem Aufmerksamkeitsstandort zum jetzigen Zeitpunkt jeweils in ihrem Innenraum. Beide sind verbunden mit einem Liebesgefühl. Möglich ist, dass es das Liebesgefühl der Frau ist, die im Mann sein eigenes Liebesgefühl zum Schwingen bringt. Weil er bei sich ist und in Resonanz mit ihr geht während sie ihren Aufmerksamkeitsstandort auch gerade bei sich im Innenraum hat.

Seine Aufmerksamkeitsrichtung liegt also bei ihr während er achtsam mit seinem leiblichen Empfindungen verbunden ist. Diese werden sozusagen ausgelöst durch die Wahrnehmung der Frau in ihrem Innenraum.

Jede*r ist also bei sich und doch sind sie über ein aktuelles (nährendes) Gefühl miteinander verbunden.

Dies ist nur einer von 10 unterschiedlichen Aufmerksamkeitsmodi in dem Modell des achtsamkeitsbasierten Ichgrenzbewusstseins von Dr. Klaus Blaser und mit dem wir uns in dem 8 wöchigen Self-Boudary Awareness Training theoretisch und praktisch beschäftigen.

 

2010 fand eine außergewöhnliche Performance von und mit der Künstlerin Marina Abramovic im New Yorker Museum of Modern Art statt: The Artist is Present

3 Monate saß sie jeden Tag 8 Stunden in der Eingangshalle auf einem Stuhl. Zu Beginn gab es einen Tisch und einen weiteren Stuhl, auf dem BesucherInnen des Museums Platz nehmen konnten, um in einen stummen Augenkontakt mit der Künstlerin zu treten. Schnell sprach sich herum, was dort passierte und nach einigen Tagen kamen immer mehr Menschen, so dass es bald lange Warteschlangen gab - schon vor der täglichen Öffnungszeit.

Was geschah dabei?

Durch die pure Präsenz der Künstlerin entstand ein magischer Raum, der wie ein Magnet wirkte - und wie ein Spiegel. Marina zentrierte sich ganz bewusst vor und nach jedem Kontakt, so dass sie für jede und jeden ganz da sein konnte. Sie nahm bewusst ihren Aufmerksamkeitsstandort in ihrem Inneren, ihrem Körper, ein und fokussierte sich von dort aus nach außen, auf die jeweilige Person, die ihr gegenüber saß. Im Modell der achtsamkeitsbasierten Ichgrenze nennen wir dies "MITGEFÜL" im Unterschied zum Ein-fühlen.

Die Buddhisten nennen diesen Zustand "Liebende Güte".

Die Menschen, die mit ihr in den Augenkontakt gingen, sahen sich einer Person gegenüber, die ungewöhnlich offen, wertfrei und gegenwärtig war. Ganz wach und da für den Moment der Begegnung präsent. So gesehen zu werden, war für viele überwältigend.

 

 

Viele sehnen sich nach solchen Kontakten und gleichzeitig halten sie die Intensität, die da entsteht und hautnah spürbar wird, kaum aus.

Warum?

Wertfrei wahrgenommen zu werden ist für viele von uns unbekannt und doch liegt eine große Sehnsucht darin.

 

Es war und ist faszinierend zu beobachten, was für eine große Wirkung dieses so einfache und reduzierte Setting hervorrufen kann.

Mich selbst fasziniert diese stille Art der Kommunikation sehr, die in so kurzer Zeit eine so tiefe Verbindung herstellen kann.

Vorraussetzung dafür ist die Bereitschaft sich einzulassen. Wir erkennen uns im Spiegel des Anderen was so viel bedeutet wie: die Person uns gegenüber zeigt uns auch, was wir vielleicht lieber nicht sehen möchten. Und das kann Schweres, Trauriges ebenso sein wie Schönes und Kraftvolles wie im unteren Video erkennbar wird:

Amnesty International UK

 

Studies suggest it takes four minutes of direct eye contact for strangers to fall in love. So we decided to conduct a simple experiment: refugees and Europeans sat across from each other and looked each other in the eyes. People from different continents who have literally never set eyes on each other before come away feeling an amazing connections.

"Die Augen sind das Tor und der Spiegel unserer Seele".